Loslassen … sich (be)frei(t) fühlen

Blogparade „Loslassen“

Blogparaden finde ich sehr schön. In diesem Fall hat Silke Steigerwald dazu aufgerufen. Das Interessante an Blogparaden ist, dass ein bestimmtes Thema vorgegeben wird. Und dass dann ganz unterschiedliche Menschen einen Artikel zum gleichen Thema schreiben. Und jeder Artikel ist ganz anders. Finde ich total spannend.

Dieses Mal geht es um das Thema „Loslassen“.

Warum ich mich dazu entschieden habe, mitzumachen.

Sofort als ich das Thema gelesen habe, wusste ich, das ist was für mich. Es passt sehr gut zu meinem Hauptthema „Stressbewältigung“. Und als ich dann noch den Artikel von Biggi Jourdan dazu gelesen hatte, war ich voll motiviert. Und hier ist nun mein Beitrag dazu.

Loslassen hat für mich ganz viele verschieden Bedeutungen.

Aber zuerst noch ein sehr passender Spruch von Buddha dazu:

„Lerne loszulassen, das ist der Schlüssel zum Glück.“

Loslassen im Sinne von Weggeben

Beim Thema „Loslassen“ denke ich zum Beispiel ganz automatisch an meinen Haushalt. Ich sage immer: Eigentlich könnte ich mit dem, was ich habe, drei Häuser einrichten. Ich würde auch gerne viele Dinge loslassen. Ich bin bereit dazu. Aber ich bin nicht bereit, neue Dinge in den Mülleimer zu werfen. Aber es ist so schwer, Menschen zu finden, die gerade das brauchen, was ich abzugeben habe.

Seit ein paar Monaten bin ich dazu übergegangen, häppchenweise Dinge mit ins Seminarzentrum mitzunehmen und dort auszulegen. Die Teilnehmer können sich dann mitnehmen, was ihnen gefällt. Ein kleines Sparschwein steht nebendran für eine Spende. Aber das ist jedem selbst überlassen. Viel wichtiger ist mir, dass diese Sachen in liebevolle Hände kommen. Dass sie nicht nur ungebraucht und ungenutzt bei mir im Schrank liegen.

Natürlich gibt es auch Dinge, die alt und verbraucht sind. Diese landen dann tatsächlich im Mülleimer oder auf dem Sperrmüll. Vor ein paar Tagen waren wir erst wieder dort und haben Elektroschrott entsorgt. Gerade bei Elektrosachen ist es ja so, dass sie sehr schnell veraltet sind. Und dann wirklich von niemandem mehr gebraucht werden können.

Eine weitere Idee ist, unbenötigte Sachen zusammenzupacken. Und an bestimmte Häuser abzugeben, die diese Dinge für beispielsweise 1 Euro verkaufen. Und dann z.B. einem Tierheim spenden. Doch hierzu muss ich bestimmte Kisten erst nochmal durchsehen und neu sortieren. Und dann können sich diese Dinge auch auf den Weg machen.

Loslassen von Glaubenssätzen

Auch das Loslassen von Glaubenssätzen ist ein interessanter Ansatz. In meinem Blogartikel „Emotionale Triggerpunkte“ habe ich diese ausführlicher beschrieben.

Manchmal glaubt man ein Leben lang an bestimmte Glaubenssätze. Und stellt irgendwann fest, dass es eigentlich die falschen Glaubenssätze sind. Als mein Mann die fünf Triggerpunkte durchgelesen hat, hat er mich angeschaut und spontan gesagt: „Kontrolle behalten.“ Ups, das ist tatsächlich einer meiner Triggerpunkte. Ich bin wohl schon so ein kleiner Kontrollfreak. Aber ich arbeite daran. Ich denke, es hat auch viel mit Vertrauen zu tun. Vertrauen beispielsweise darin, dass der Andere es ebenso gut kann. Dass auf den Anderen Verlass ist.

Beispiel: Mein Mann möchte mir eine Freude machen und legt die Handtücher zusammen. Früher habe ich alles nochmal kontrolliert. Es war mir dann nicht gut genug. Und ich habe die Arbeit direkt noch einmal gemacht und alles neu zusammengelegt. Was für ein Blödsinn. Heute bin ich so weit, dass ich mich einfach nur darüber freue, wenn er Dinge schon erledigt hat. Dadurch haben wir mehr Zeit füreinander.

Aber manchmal entpuppt sich Kontrolle auch als gut. Ich überprüfe grundsätzlich, wenn ich aus dem Haus gehe, ob die Haustür auch wirklich zu ist. Und es kommt tatsächlich öfters vor, dass jemand kurz vorher draußen war, den Schnapper heruntergemacht hat. Und dann vergessen hat, ihn wieder hochzumachen. Also: Kontrolle in Maßen kann auch nützlich sein. 😉

Loslassen von alten Kamellen

Es gibt Dinge im Leben, die einem schwer zu schaffen machen können. Und es ist so schwer, diese Dinge loszulassen. Und es kostet viel Energie, an alten Sachen festzuhalten bzw. sie nicht gehen lassen können. Obwohl du es eigentlich möchtest. Oft ist es aber auch ein Prozess.

Stell dir vor, du hast eine Erfahrung gemacht, die dich tief verletzt hat. Anfangs denkst du ständig daran. Du arbeitest in Gedanken mit dir selbst. Du versuchst, die Dinge rationell zu betrachten. Sie nicht überbewerten. Aber es fällt schwer.

Du hast jedoch einen grandiosen Helfer: die Zeit! Je mehr Zeit vergeht, umso weniger denkst du an diesen belastenden Moment. Die Abstände werden größer. Und das Herz und die Seele hat Zeit zu heilen. Und wenn diese beiden zwischendurch auch immer mal wieder gestreichelt werden, dann fällt es umso leichter.

Es wird immer mal wieder Rückfälle geben. Aber wie gesagt, die Abstände werden immer größer. Und es tut nicht mehr so weh. Und du kannst diesen Moment schneller überwinden, da du ja schon Erfahrung damit hast.

Loslassen im Sinne von Loslassen

Ja, du hast schon richtig gelesen. Ich habe mich nicht verschrieben. 😉 Claudia Kauscheder nannte es mal „Wann du von einem toten Pferd absteigen solltest“.

Bestimmt kennst du das auch: Du hältst an etwas fest, obwohl du genau weißt, dass der Zug schon längst abgefahren ist. Du willst etwas nicht akzeptieren, was eigentlich schon längst vorüber ist. Oder du nicht mehr ändern bzw. rückgängig machen kannst. Du hast das Gefühl, du musst durchhalten. Und deswegen verspürst du immer weniger Lust. Und deine Motivation sinkt in den Keller. Und auch wenn du viel in eine Sache investiert hast, ist es im Endeffekt manchmal doch besser, einen Neustart zu wagen und das Alte loszulassen.

Aber es gibt Dinge, die brauchen einfach Zeit. Zeit, um sich zu verabschieden. Zeit, um sich auch wirklich ganz sicher zu sein. Dass es auch wirklich das Beste ist, endlich loszulassen.

Es gibt so viele verschiedene Situationen, auf die es zutrifft. Egal, ob es darum geht, sich von einem Menschen zu trennen. Oder von einer Sache. Oder einem Traum.

Um Loslassen zu können, gehört auch Klarheit dazu. Was willst du wirklich? Was ist dir wichtig, und was nicht? Und auch die nächste wichtige Frage gehört dazu: Bist du überhaupt in der Lage, dir darüber klarzuwerden? Vielleicht brauchst du auch Unterstützung von außen. Manchmal hilft schon ein klärendes Gespräch mit einer guten Freundin. Und manchmal bedarf es auch etwas mehr.

Ich habe beispielsweise endlich meine Praxis losgelassen. Das war ein langer Prozess für mich. Ich habe mich nun entschlossen, auf meinen Bauch zu hören. Ich möchte keine Einzelgespräche. Ich bin ein absoluter Gruppentyp. Natürlich gibt es auch mal Ausnahmen bei Menschen, bei denen ich das Gefühl habe, es passt. Aber dies ist nicht die Regel bei mir. Ich liebe den Austausch in Gruppen. Die Gruppendynamik. Das ist mein Ding. Egal ob online oder Vor-Ort.

Loslassen statt sich selbst zu belügen

Vielleicht machst du auch manchmal einfach die Augen zu. Was ich nicht sehe, ist auch nicht. Du belügst dich somit selbst. Vielleicht noch nicht einmal bewusst. Dein Unterbewusstsein biegt sich alles so zurecht wie es passt. Das kann aus verschiedenen Gründen geschehen:

·       Du hast Angst. Angst vor einer Veränderung. Angst vor Schmerzen. Angst zu versagen. Angst vor dem Alleinsein. Es gibt tausende verschiedene Arten von Ängsten.

·       Du möchtest deine Komfortzone nicht verlassen. Das kann etwas mit Bequemlichkeit zu tun haben. Aber natürlich auch wieder mit Angst.

·       Du bist daran gewöhnt. Etwas Neues anzufangen bedeutet auch oft Ungewissheit. Und du musst raus aus deiner Komfortzone. Oft ist es einfach bequemer, in einer gewohnten Situation auszuharren als etwas zu verändern.

Rein theoretisch kannst du dich ein Leben lang belügen. Aber macht es dich glücklich? Wohl eher nicht. Oft zeigen sich auch körperliche Symptome wie: Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Verdauungsbeschwerden, depressive Verstimmungen u.ä.

Veränderungen sind manchmal notwendig.

Klassisches Beispiel: Du bist mit einem Mann zusammen, der dir nicht guttut. Es muss ja nicht sein, dass er dich schlägt. Oder ständig betrunken ist. Vielleicht achtet er dich nur nicht. Er hält dich für eine Versagerin. Und er sagt es dir auch ständig. Nichts kannst du ihm recht machen. So sehr du dich auch anstrengst. Immer ist irgendetwas falsch. Du fängst an, dich völlig nach ihm zu richten. Du gibst dein eigenes Leben auf. Bist du dann glücklich? Wenn du gar nicht mehr DU bist? Wenn dir dies bewusst wird, ist es vielleicht an der Zeit, loszulassen. Auch wenn es anfangs schmerzhaft, sehr schmerzhaft, ist. Und du Angst vor dem Alleinsein hast. Aber nur so hast du die Chance, wieder du selbst zu werden. Und auch wieder glücklich.

Aber was hilft dir nun beim Loslassen?

Leider gibt es dazu keine Pauschalregeln, da das Thema sehr komplex ist. Und vor allem sehr vielfältig. Wie oben bereits erwähnt gibt es verschiedene Themenkomplexe wie beispielsweise: sich von einem Menschen zu trennen. Oder von einer Sache. Oder einem Traum.

Als Hilfe habe ich dir einen 5-Schritte-Plan für dich zusammengestellt, den du vielseitig einsetzen kannst.

Erster Schritt:

Du musst bereit dafür sein. Es liegt an dir zu akzeptieren, dass eine (Ver-)Änderung notwendig ist. Und dass du es in der Hand hast, deinem bisheriges Leben „Adieu“ zu sagen. Denn jede Art des Loslassens spielt sich alleine in deinem Kopf ab. Erst wenn du dir dessen bewusst bist, kannst du zum nächsten Schritt übergehen.

Zweiter Schritt:

Wenn es um eine komplexere Sache geht und du schon lange damit „schwanger“ gehst: Nimm dir ein paar ruhige Minuten und mache eine Liste. Schreibe die Vor- und Nachteile auf die entstehen, wenn du loslässt.

Mit Hilfe dieser Liste kannst du dich auch deiner Angst stellen. Warum kannst du nicht loslassen? Vor was fürchtest du dich? Bedenke dabei: Angst zu haben ist menschlich.

Dritter Schritt:

Finde Unterstützung. In deinem sozialen Umfeld gibt es bestimmt Menschen, die dir bei deinem Vorhaben helfen. Wenn es eine einfache Sache ist wie z.B. sich von einigen Möbelstücken zu trennen, dann helfen dir bestimmt deine Familie und deine Freunde. Bei komplexeren Themen sind es wahrscheinlich Menschen, die dir nahestehen. Oder du suchst dir therapeutische Hilfe. Auch dabei ist dir dein Umfeld bestimmt behilflich. Dafür sind Freunde schließlich da.

Im Gegenzug solltest du Menschen meiden, die dir nicht guttun. Die dir etwas einreden wollen, was du gar nicht möchtest. Oder die ständig darüber klagen, was und wen sie nicht loslassen können. Das hilft dir in dem Moment nämlich rein gar nix. Ganz im Gegenteil.

Vierter Schritt:

Habe Vertrauen in dich selbst. DU wirst eine Lösung finden. Denn wie bereits oben erwähnt, hast du es selbst in der Hand. Da es eine Kopf-Sache ist, hast du die Möglichkeit, deine Gefühle und Gedanken selbst zu steuern und zu beeinflussen.

Mache dir bewusst, dass Loslassen nichts mit Versagen zu tun hat. Und dass es keinen Grund dafür gibt, dir Selbstvorwürfe zu machen. Es braucht solange, wie es braucht.

Du hast eine Veränderung verdient. Und wenn deine gesamte Aufmerksamkeit sich auf die EINE Sache richtet, die du loslassen möchtest: Benutze das Zauberwort „STOPP“. Du kannst deinem Gehirn auch sagen „Jetzt nicht“. Du kannst dir auch einen genauen Zeitpunkt festsetzen, wann du dich wieder mit dieser Sache beschäftigen möchtest.

Beispiel: Als ich vor zehn Jahren meine Naturheilpraxis eröffnete, konnte ich nachts nicht mehr richtig schlafen. Ständig gingen mir meine Patienten im Kopf herum. Und was ich noch alles machen muss. Ich bin sogar nachts aufgestanden und habe die Praxiswäsche in den Trockner gemacht, damit ich sie morgens gleich wieder mitnehmen konnte. Irgendwann hatte ich gemerkt, dass ich nicht Loslassen kann. Meine Arbeit hat mich den ganzen Tag und die ganze Nacht verfolgt. So ging es nicht weiter. Mir hat damals (und auch noch heute) folgendes super geholfen: Wenn diese Gedanken abends vorm Schlafengehen kamen, sagte ich folgendes: „Stopp. Ich werde jetzt schlafen. Morgen früh um sieben könnt ihr alle wieder kommen.“ Und Ruhe war.

Du kannst dir auch einen neuen Glaubenssatz zulegen: „Ich bin bereit loszulassen.“ oder „Ich werde loslassen.“ Je nachdem, welcher Satz für dich stimmiger ist. Oder kreiere einen eigenen.

Fünfter Schritt:

Sei dir bewusst, dass eine Lücke in deinem Leben entstehen kann, wenn du loslässt. Aber bedenke auch:

„Dort wo Altes weicht, entsteht Platz für Neues.“

Verweile demgemäß nicht in der Vergangenheit, sondern schau nach vorne. Denn wie heißt es so schön: Geht eine Tür zu, öffnet sich eine neue.

Und wenn Ängste in dir aufkommen: Nimm sie an, analysiere und hinterfrage sie. Ist es auch wirklich so schlimm, wie du denkst? Oder könnte es auch ganz anders sein?

Loslassen ist ein Prozess des Erfahrens und des Entwickelns. Und du kannst dir sicher sein, dass er dich persönlich weiterbringen wird.

Und Loslassen muss auch nicht bedeuten, dass etwas für immer weg ist. Manchmal kehrt es auch auf eine neue Art und Weise wieder zurück. Bleibe offen mit deinem Herzen.

Loslassen gibt dir immer die Chance auf etwas Neues, etwas Besseres, etwas Passenderes. Egal ob es sich dabei um ein Kleid oder eine Person handelt.

In diesem Sinne wünsche ich dir, dass du alles loslassen kannst, was du loslassen möchtest.

Deine Silvia

PS: Ich würde mich freuen, dich in meiner Facebook-Gruppe „Einfach weniger Stress“ zu treffen. Bis bald.

 

 

Bild von Judith Voigt & Milena Fischer.

3 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Liebe Silvia,

    wunderbar geschrieben. Und die vielen Aspekte, die das Loslassen hat … das ist einerseits gut. Andererseits schon fast beängstigend. Ich denke es hat auch immer mit dem Wunsch nach Sicherheit zu tun. Und wie wichtig, gravierend, schwierig die Gründe dafür sind, dass es so schwer fällt. Definitiv werde ich Deinen „Stopp-Satz“ vor dem Schlafen gehen nutzen … 😉

    • Liebe Andrea,
      das freut mich sehr, dass ich dir ein paar Impulse geben konnte.
      Liebe Grüsse, Silvia

  2. Pingback: Ein Dankeschön-Tag | Silke Steigerwald

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