„Du musst dich nicht rechtfertigen.“

Wie oft habe ich diesen Satz schon in meinem Leben gehört. Und er nervt mich immer mehr. Geht es dir manchmal auch so? Du möchtest etwas erklären und jemand haut dir diesen Satz um die Ohren und meint, du wolltest dich rechtfertigen.

Ich kenne sehr wohl den Unterschied zwischen Erklärung und Rechtfertigung. Aber viele scheren diese beiden Begriffe über einen Kamm.

Wann erklärst du etwas und wann rechtfertigst du dich?

Rechtfertigung

Der Begriff „Rechtfertigung“ kommt aus der christlichen Theologie. Du möchtest damit etwas klarstellen. Etwas, was du gerade angestellt hast. Etwas, was schiefgelaufen ist. Du möchtest also einen begangenen Fehler schönreden. Wenn du dich rechtfertigen möchtest, erkennst du deine eigene Schuld nicht an. Du machst dir selbst etwas vor. Und du möchtest andere darüber hinwegtäuschen, dass dein Verhalten nicht korrekt war.

Beispiel: „Ich hatte so eine Tranfunzel vor mir, deswegen konnte ich nicht pünktlich sein.“

Du wärst aber pünktlich gewesen, wenn du nicht auf den letzten Drücker losgefahren wärst. Aber du wolltest z.B. unbedingt noch diese Serie zu Ende schauen.

Erklärung

Wenn du dagegen etwas erklärst, stellst du den Sachverhalt dar. Was geschehen ist, damit es zu dieser Situation kam. In der Regel geht es hier nicht darum, etwas schön zu reden. Vielmehr geht es darum, zu erläutern, was tatsächlich passiert ist. Oder warum du dich zum Beispiel gerade so entschieden hast.

Bei dem oben genannten Beispiel ging es um Unpünktlichkeit. Ein Beispiel für eine Erklärung wäre folgendes:

„Ich wollte gerade losfahren, da hat sich mein Hund übergeben. Da musste ich erst noch den Hund versorgen und den Boden wischen.“

Du hattest demgemäß geplant, rechtzeitig bzw. sogar frühzeitig loszufahren. Aber ein Ereignis, welches du nicht beeinflussen konntest, hat deinen Zeitpuffer aufgebraucht. Dass es auf den Straßen mal zu zähfließendem Verkehr kommen kann bzw. Tranfunzeln unterwegs sind, ist normal. Dieses „Mehr“ an Zeit sollte man immer einplanen.

Manchmal ist es auch so, dass du eine Entscheidung treffen musst. Und diese Entscheidung gefällt vielleicht nicht jedem. Wenn dir diese Person wichtig ist, möchtest du ihr vielleicht erklären, aus welchem Grund du dich so entschieden hast. Wenn dir dein Gegenüber aber dann diesen unliebsamen Satz „Du musst dich vor mir nicht rechtfertigen.“ entgegenschleudert, dann kann dies auch verletzen. Es kann das Gefühl entstehen, dass es den Anderen überhaupt nicht interessiert. Dass es dem Anderen nicht wichtig ist.

Unterschied zur Entschuldigung

Dann gibt es da aber noch den Begriff „Entschuldigung“. Dieser wiederum kann gegenüber den Begriffen „Rechtfertigung“ und „Erklärung“ auch abgegrenzt werden.

Bei einer Entschuldigung möchtest du nichts schönreden. Du suchst auch nicht nach irgendwelchen Ausflüchten. Du möchtest auch nicht unbedingt den Sachverhalt klarstellen. Sondern du hast erkannt, dass etwas an deinem Verhalten nicht in Ordnung war. Und du möchtest es wiedergutmachen. Du entschuldigst dich. Bei dem Beispiel mit der Unpünktlichkeit könnte dies folgendermaßen aussehen:

„Ich entschuldige mich für mein Zuspätkommen. Ich hatte die Zeit etwas aus den Augen verloren.“

Damit wird klar, dass du selbst daran schuld bist, dass du zu spät kommst. Aber dass es dir leidtut.

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Zusammenfassung

Um es nochmals an dem Beispiel mit der Unpünktlichkeit zu verdeutlichen:

Bei der Rechtfertigung erkennst du deine eigene Schuld nicht an. Du möchtest es vertuschen.

Bei der Erklärung möchtest du dem Gegenüber erläutern, was die Ursache für dein Zuspätkommen war. Und dass du es nicht beeinflussen konntest. (In anderen Situationen hast du dich beispielsweise bewusst dafür entschieden.)

Bei der Entschuldigung ist dir klar, dass du durch dein eigenes Verschulden zu spät gekommen bist. Und dass es dir leidtut.

Erkläre dich, rechtfertige dich nicht

So wie ich warst du bestimmt auch schon mal tatsächlich in einer Situation, in der du dich gerechtfertigt hast. Wie hast du dich dabei gefühlt? Wahrscheinlich nicht gut. So ein bisschen das Gefühl „mit dem Rücken zur Wand stehen“. Verzweifelt versuchen zu erklären, warum das passiert ist.

Warum du zum Beispiel diesen wichtigen Auftrag nicht ins System eingegeben hast. Weil Lieferant XY kein Angebot geschickt hat. Obwohl du eine Erinnerungsmail geschickt hast.

Aber du hättest ihn ja auch anrufen können. Und ihm die Dringlichkeit bewusstmachen. Oder deinen Vorgesetzten darüber informieren können. Aber du hattest es als nicht wichtig genug angesehen.

Also rechtfertigst du dich, schiebst Lieferant XY vor. Dich trifft keine Schuld. Aber in deinem Innersten weißt du ganz genau, dass es deine Schuld war. Denn genau das ist dein Job.

Und es hinterlässt einen bitteren Nachgeschmack.

Stell dir nun vor, du würdest deine Handlung nicht rechtfertigen wollen. Sondern ganz bewusst auf der Sachebene erklären, was passiert ist. Zu deinen Fehlern stehen. Den Stand der Dinge neutral erklären. Wie würdest du dich damit fühlen?

Wenn du dich rechtfertigst, wirkst du schwach.

Wenn du etwas erklärst, zu etwas stehst, beweist du Stärke.

Achte zukünftig darauf, in welchen Situationen du dazu neigst, dich zu rechtfertigen. Und wie du diese Situationen verändern kann. Beweise Stärke!

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Liebe Grüsse, Silvia

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