Depression: Gefangen in der Spirale negativer Gedanken

Depression ist wieder in aller Mund. Durch den Selbstmord von Linkin-Park-Sänger Chester Bennington ist es wieder hochaktuell.

Jeder hat mal eine schlechte Phase. Das ist normal. Das kennst du bestimmt auch. Aber es ist ein großer Unterschied, ob du mal grad nicht gut drauf bist, ob du eine depressive Verstimmung hast oder ob du unter Depressionen leidest. Wenn du Depressionen hast, kannst du dich in der Regel nicht selbst daraus befreien. Was aber ist nun eine Depression?

Affektive Störungen

Die Depression gehört zu den affektiven Störungen. Ebenso die Manie.

Es besteht eine krankhafte Veränderung der Stimmung, der sogenannten Affektivität. Bei der Depression ist die Stimmung übermäßig stark gedrückt. Bei der Manie dagegen ist sie übermäßig stark gehoben.

Gemäß der Beschreibung des ICD-Codes ist der Beginn einer Depression oft mit belastenden Ereignissen oder Situationen in Zusammenhang zu bringen. Ob es jedoch tatsächlich zu einer Depression kommt, hängt auch von der individuellen Veranlagung ab.

Verschiedene Verlaufsformen

Eine Depression ist nicht immer eine Depression. Hierbei werden verschiedene Formen unterschieden, wie sie verlaufen kann:

  • monopolarer/unipolarer Verlauf: nur depressive Phasen
  • bipolarer Verlauf: depressive und manische Phasen wechseln sich ab
  • einphasischer Verlauf: einmalige Depression
  • mehrphasischer Verlauf: mehrmalige depressive Phasen

Gemäß dem RKI (Robert-Koch-Institut) sind aktuell rund acht Prozent der Deutschen ab 18 Jahren von Depressionen betroffen. Andere reden noch von viel höheren Zahlen.

Dabei kommen monopolare und mehrphasische Depressionen am häufigsten vor. Meist dauern die Phasen vier bis sechs Monate, maximal ein Jahr.

Mögliche Ursachen einer Depression

Nicht jeder entwickelt nach tiefgreifenden Ereignissen auch tatsächlich eine Depression. Hier eine kleine Auflistung, durch was diese verursacht werden kann:

  • erbliche Faktoren: es liegt eine genetische Anfälligkeit vor.
  • neurobiochemische Faktoren: verminderte Anzahl von den Neurotransmittern Noradrenalin und Serotonin („Glückshormon“).
  • Dauerstress: krankhaft erhöhte Cortisolwerte und Ungleichgewicht der Schilddrüsenhormone.
  • chronobiologische Faktoren: saisonale Rhyhtmik. Die bekannteste hierbei ist wahrscheinlich die sogenannte „Winterdepression“.
  • psychosoziale Faktoren: belastende Ereignisse, z.B. Verlust von nahen Bezugspersonen, anhaltende Konflikte, starke Veränderung der gewohnten Lebensweise, schwere Erkrankungen …
  • persönliche Faktoren:

Gemäß Untersuchungen sind hier besonders Menschen mit starren Charakterzügen betroffen. Menschen, die ihr letztes Hemd opfern würden. Menschen, die stark abhängig von anderen sind.

Jedoch auch Menschen, die mit einer negativen Situation konfrontiert werden, die sie nicht ändern können. Dadurch kann es zu einer gestörten Selbstbewertung kommen. Ebenso können negative Gedanken dadurch noch verstärkt werden. Beispiel: „Das schaffe ich sowieso nie. Egal was ich mache.“

Einteilung einer Depression gemäß WHO

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stellt den ICD-Code: die internationale Klassifikation der Krankheiten. Depression wird demgemäß unterteilt in:

  • Depressive Episoden: Einmalig. Leichte, mittelgradige und schwere Episoden ohne und mit psychotischen Symptomen
  • Rezidivierende depressive Störungen: Mehrmalig. Leichte, mittelgradige und schwere Episoden ohne und mit psychotischen Symptomen
  • Anhaltende affektive Störungen:

a) Zyklothymia: Stimmung ist andauern leicht instabil.

b) Dysthymia: chronische, depressive Verstimmung, die mindestens mehrere Jahre andauert.

Traditionelle Einteilung einer Depression

Es gibt drei Kriterien, nach denen eine Depression traditionell eingeteilt wurde. Da sie immer noch im Sprachgebrauch üblich sind, habe ich sie auch hier aufgeführt:

Somatogene Depression:

Diese ist organisch-körperlich bedingt, z.B. aufgrund einer körperlichen Erkrankung.

Dies musste ich leider letztes Jahr am eigenen Leib erfahren. Aufgrund einer Schilddrüsenunterfunktion kam es bei mir zu einer Depression. Nachdem dies festgestellt wurde, konnte mittels Schilddrüsentabletten schnell Abhilfe geschaffen werden. Meine Erfahrung war, dass der Prozess schleichend voranging, so dass ich es zuerst gar nicht wirklich registriert hatte. Gemerkt hatte ich nur, dass es mir immer schlechter ging. Sowohl körperlich als auch seelisch. Vorausgegangen war eine psychische Belastung, die anscheinend meinen Hormonhaushalt durcheinandergewirbelt hatte.

Endogene Depression:

Ursache ungeklärt. Ausgelöst werden sie oft durch belastende Ereignisse oder Situationen.

Psychogene Depression:

Sie sind seelisch „erworben“. Die wichtigsten Vertreter:

Neurotische Depression:

Sie entwickelt sich aufgrund ungelöster innerer Konflikte. Die Ursache liegt meist in der frühen Kindheit oder in der Pubertät. Meist sind sie nicht bewusst. Sie werden aktiviert durch ein ähnliches emotionales Erlebnis.

Reaktive Depression:

Sie wird ausgelöst durch ein psychisches Trauma, z.B. den Tod eines geliebten Menschen. Hier kann die Depression direkt einsetzen oder aber auch erst Wochen später.

Sonderformen der Depression

Des Weiteren gibt es noch verschiedene Sonderformen der Depression:

  • Erschöpfungsdepression: Der Körper reagiert auf Dauerbelastung bzw. auf wiederholte schwere Psychotraumen.
  • Wochenbettdepression: Sie kann in den ersten zwei Jahren nach der Geburt entstehen. Meist ist es eine schleichende Entwicklung. Sie ist wegen der Selbstmordgefahr dringend behandlungsbedürftig.
  • Klimakterische Depression: Tritt häufig in den Wechseljahren der Frau auf. Ursache kann sowohl der biologische Prozess als auch psychosoziale Veränderungen sein. Beispiele: Angst vorm Älterwerden, Trennung vom Partner, Kinder verlassen das Haus.
  • Altersdepression: Meist treten die Symptome erst nach dem 65. Lebensjahr auf. Sie stehen oft in Verbindung mit körperlichen Erkrankungen. Auch Einsamkeit bzw. soziale Isolierung können eine Rolle spielen.

Symptome einer Depression

Nicht jeder depressive Mensch hat die gleichen Symptome. Auch können diese unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Und oftmals werden die Symptome gar nicht in Zusammenhang mit einer Depression gebracht. Dennoch kann man drei Leitsymptome benennen:

  • Depressive Verstimmung
  • Hemmung von Antrieb und Denken
  • Vegetative Symptome

Es müssen auch nicht immer alle drei gleichzeitig auftreten. Aber sie sind ein Anhaltspunkt. Nachfolgend erfährst du mehr über diese drei Leitsymptome.

Depressive Verstimmung:

  • „Gefühl der Gefühllosigkeit“: niedergeschlagen, gedrückt, nichts macht mehr Spaß, innerlich leer, wie taub, du fühlst nichts mehr
  • Insuffizienzgefühle: auch die Gefühle gegenüber dir eigentlich wichtigen Menschen sind nicht mehr spürbar. Du kannst für deinen Partner nichts empfinden. Ebenso für deine Kinder. Du fühlst dich wertlos und überflüssig. Vielleicht hast du auch Schuldgefühle deswegen.
  • Hoffnungslosigkeit: du siehst keine Zukunft mehr vor dir. Alles macht keinen Sinn mehr. Suizid siehst du als deinen letzten Ausweg an.

Hemmung von Antrieb und Denken:

  • Gehemmte Depression: Der Antrieb ist vermindert oder gehemmt. Alles fällt dir schwer. Jeder einzelne Schritt, jeder einzelne Gedanke. Du wirst langsamer, dein Körper fühlt sich schwer an. Und du bist zu nichts mehr zu gebrauchen. Auch kennst du dich selbst nicht mehr.
  • Innere Unruhe: Trotz dieser Antriebhemmung besteht oft eine starke innere Unruhe. Sie ist oft von außen nicht wahrnehmbar. Aber sie quält den Betroffenen.
  • Agitierte Depression: Sie ist das Gegenteil zur inneren Unruhe. Der Betroffene zeigt seine Unruhe im Äußeren. Du läufst ziellos hin und her, ringst mit den Händen, zappelst herum. Bist verzweifelt.

Vegetative Symptome:

  • Larvierte Depression: Die Depression wird hier nur als körperliches Symptom wahrgenommen. Beispiele: Druck- oder Schweregefühl im Brustbereich, Kopfschmerzen, Krämpfe und Unwohlgefühl im Bauch, der ganze Körper fühlt sich schwer an.
  • Schlafstörungen: Einschlaf- und Durchschlafstörungen, morgendliches Früherwachen. Du kommst nicht zu Ruhe, kannst nicht abschalten.
  • Denken: Es kann zur Denkhemmung kommen. Das Denken wird schwer und langsamer. Oft kommt es auch zu Grübelzwang, d.h. du denkst ständig über das Gleiche nach, egal ob wichtig oder unwichtig. Manchmal besteht auch die Gefahr, dass eine Pseudodemenz diagnostiziert wird. Dies liegt an der Konzentrationsschwäche und an der nachlassenden Aufmerksamkeit. Betroffen sind vor allem ältere Menschen.
  • Weitere Symptome: Appetitstörungen, Verstopfung oder Durchfall, Schwindel, Herzrasen.
  • Wahn: Dieser kann bei schweren Depressionen entstehen. Ursache hierbei ist oft das negative Selbstwertgefühl. Am häufigsten sind: Verarmungs-, Versündigungs- oder Schuldwahn.

Therapiemöglichkeiten

Die Behandlung einer Depression gehört in die Hände eines Facharztes. Naturheilkundliche Therapien und entsprechende Präventionskurse können den Betroffenen unterstützen.

Bei depressiven Verstimmungen reicht oftmals die Unterstützung durch einen erfahrenen Therapeuten. Besteht jedoch der Verdacht auf eine schwere (endogene) Depression, muss der Facharzt sofort mit ins Boot geholt werden.

Folgende naturheilkundliche Therapien sind zur Unterstützung geeignet:

Ab- und Ausleitungsverfahren:

Ich bevorzuge hier das Schröpfen. Vor allem das Lebersegment sollte hier unbedingt behandelt werden.

Biochemie nach Schüssler:

Besonders empfehlen kann ich hier die Dreierkombination aus Schüssler Salzen Nr. 3, 5 und 8.

Nr. 3 Ferrum phos. in D12 zur allgemeinen Stärkung

Nr. 5 Kalium phos. in D6 um die Nerven zu unterstützen

Nr. 8 Natrium chlor. in D6 gegen die Mattigkeit bzw. um den Antrieb zu erhöhen

Ernährung

Die Ernährung sollte speziell an den jeweiligen Betroffenen angepasst werden. Pauschal ist eine basenüberschüssige Kost zu empfehlen. Auf Zucker und weißes Mehl sollte nach Möglichkeit verzichtet werden. Oder zumindest stark reduzieren. Vollwertkost ist prinzipiell empfehlenswert, aber auch hier sollte typgerecht beraten werden. Beispielsweise verträgt nicht jeder Rohkost.

Homöopathie

Hier können entweder Konstitutionsmittel oder Komplexmittel eingesetzt werden. Bitte keine Experimente durchführen, sondern einen erfahrenen Heilpraktiker oder Arzt befragen.

Lichttherapie

Bei einer Winterdepression kann durch die Lichttherapie eine Verbesserung erzielt werden. Gerade wenn es so gar nicht mehr hell werden kann, finde ich so eine Lampe hervorragend. Ich habe mir schon vor Jahren eine Tageslichtlampe von Beurer angeschafft. Diese kann ich wunderbar auf meinem Tisch aufstellen und dabei gemütlich lesen.

Hier kannst du dir solch eine Lampe bestellen:
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Entspannungskurse

Um Stress und Spannungen abzubauen empfehle ich Präventionskurse im Bereich Entspannung: egal ob Autogenes Training, Progressive Muskelentspannung nach Jacobson, Yoga oder Stressbewältigungskurse. Auch spezielle Workshops oder Seminare sind oft hilfreich. Hierbei auch ruhig mal nach der Qualifikation des Trainers vorher fragen.

Bei mir findest du wöchentliche Kurse, Wochenendkurse und Online-Kurse. Meine Vor-Ort-Kurse sind zertifiziert und werden somit von den Krankenkassen bezuschusst.

In meinem Artikel „2 Entspannungstechniken im Vergleich“ habe ich AT und PME gegenübergestellt. Dadurch gewinnst du bereits erste Eindrücke, was besser zu dir passt.

Autogenes Training kannst du sowohl in wöchentlichen Kursen als auch in einem Wochenendkurs vor Ort lernen. Und dann gibt es natürlich noch meinen Onlinekurs.

Bewegung

Auch körperliche Bewegung hat sich als guter Therapieansatz bewährt. Ich bevorzuge hierbei Bewegung an der frischen Luft. Ich selbst habe vor zwei Jahren zusammen mit meinem Mann angefangen zu laufen. Allerdings unter Betreuung einer erfahrenen Lauftherapeutin, Anke Hub. Ich hätte mir nie vorstellen können, mal 45 Minuten am Stück zu laufen, aber ich habe es tatsächlich geschafft. Hier ein interessantes Interview zum Thema.

Physikalische Therapie

In der physikalischen Therapie wirken wechselwarme Fußbäder, Bürstenmassagen und Sauna aktivierend. Dadurch wird die Ausscheidungsfunktion der Haut angeregt. Ein Leberwickel während der Mittagszeit hat sich hier auch bewährt.

Phytotherapie

In der Phytotherapie wird oft Johanniskraut eingesetzt. Ihm wird antidepressive Wirkung nachgesagt. Bei Schlafstörungen kann zusätzlich Baldrian eingesetzt werden. Um die Leber bei ihrer Ausleitung zu unterstützen eignen sich Mariendistel, Löwenzahn oder Bitterholz.

♥ ♥ ♥

Ich hoffe, ich konnte dir damit einen groben Überblick über das Krankheitsbild der Depression verschaffen. Depression ist eine sehr komplexe Krankheit. Wichtig ist, Symptome zu registrieren, zu erkennen und den Betroffenen gegebenfalls darauf anzusprechen. Desto schneller reagiert werden kann, desto schneller kann geholfen werden.

Ich wünsche dir einen stressfreien Tag.

Liebe Grüsse, Silvia

PS: Wenn du diesen Artikel als hilfreich empfunden hast, würde ich mich sehr über einen Kommentar von dir freuen. ♥

6 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Liebe Silvia,

    vielen Dank für diesen Artikel und die fundierte Darstellung dieses leider wieder sehr aktuellen, aber immer auch noch unterschätzten Themas.

    Einige Reaktionen zu Chesters Tod haben mir wieder gezeigt, wie viel Unwissenheit immer noch herrscht. Ich danke dir für die Aufklärung <3

    Liebe Grüße
    Carina

    • Liebe Carina,

      vielen Dank für deine bestätigenden Worte. Auch in meinen Augen ist dies ein sehr wichtiges Thema. Und es sind viel mehr Menschen davon betroffen, als man sich vorstellen kann.
      Und vor allen Dingen merken die Betroffenen oft gar nicht, wie tief sie sich bereits in der Spirale befinden.

      Liebe Grüsse, Silvia

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